30.04.2016, ab 14:00 Uhr, Bürgerhause WaldböckelheimJahreshauptversammlung Kreisgruppe Bad Kreuznach mit Neuwahl des KJM/Stv. KJM (Jagdschein als Ausweis der Wahlberechtigung nicht vergessen !).

Kreisgruppe Bad Kreuznach
RA Klaus Nieding
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T. 06751 - 856590

> Faszination Jagd

Interview mit unserem KGV Klaus Nieding

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Der ortskundige Jäger ist die beste Vorsorge

WILDSCHADEN Sozialer Druck zwingt zum Handeln / Verschärfung durch Energiemais-Anbau / Neues Gesetz stärkt Eigenverantwortung

18.02.2011 - KREIS BAD KREUZNACH

Die Gemeinde Dörrebach hat derzeit Probleme mit der Neuverpachtung ihrer Jagd und außerdem viele Schäden durch Wildverbiss. Der Rat hat bereits einige Lösungsansätze diskutiert. Ob diese sinnvoll sind und zur neuen Abschussvereinbarung äußert sich Klaus Nieding, Vorsitzender der Kreisgruppe Bad Kreuznach im Landesjagdverband Rheinland-Pfalz.

Die Gemeinde musste in der Vergangenheit Fördergelder für Aufforstung zurückzahlen, da durch den hohen Wildbestand enorme Schäden durch Verbiss zu verzeichnen waren. In welchen Bereichen des Kreises ist Verbiss durch Wild vermehrt ein Problem? Wie kann diesem entgegen gewirkt werden?

Grundsätzlich sind mir keine übermäßigen Schadensschwerpunkte im Kreis durch Wildverbiss bekannt. Wir haben immer mal wieder punktuell auftretende Schadenserhöhungen, etwa durch Schwankungen in der Population, vor allem beim Schwarzwild. Dem wird aber durch die zuständigen Revierinhaber sehr verantwortungsbewusst und energisch entgegen gewirkt. Erschwert wird dies allerdings zum Beispiel durch vermehrten Energiemais-Anbau, der zu massiven Wildschäden durch das Schwarzwild führt, die sich nicht nur auf den Mais beschränken werden. Die Schäden in anderen landwirtschaftlichen Kulturen bis hin zum Wein werden sich erhöhen. Insofern trifft die Land- und Forstwirte eine gewisse Mitwirkungspflicht.

Wer kommt für den Schaden durch Verbiss auf?

Für alle Wildschäden an forstwirtschaftlich oder landwirtschaftlich genutzten Grundstücken ist die Jagdgenossenschaft ersatzpflichtig. Diese Ersatzpflicht wird jedoch überwiegend ganz oder teilweise im Jagdpachtvertrag durch den Jagdpächter übernommen, der dann für alle Wildschäden aufkommt. Hat er den Ersatz der Wildschäden vertraglich übernommen, ist er der eigentliche Leidtragende des Wildschadens.

Im neuen Landesjagdgesetz gilt das Prinzip Wald vor Wild. Was bedeutet dies für die praktische Arbeit des Jägers? Wie kann dieser Leitsatz im Falle einer Gemeinde wie Dörrebach gewährleistet werden?

Grundsätzlich hat die Vermeidung von Wildschaden Priorität vor allen Hegebemühungen. Dies kann im Einzelfall zu Lasten bedrohter Wildarten gehen. Der Gesetzgeber hat den Jagdgenossenschaften mehr Einfluss auf die Zahl der zu erlegenden Wildtiere durch die neuen Abschussvereinbarungen eingeräumt. Reicht diese im Einzelfall nicht aus, setzt die Untere Jagdbehörde einen Mindestabschussplan fest. Soweit der Jagdpächter diesen ohne nachvollziehbare Erklärung nicht erfüllt, kann die Untere Jagdbehörde etwa Vorgaben für Bewegungsjagden machen oder im Extremfall eine Zwangstreibjagd auf Kosten des Jagdpächters anordnen.

Im neuen Jagdgesetz wurde die Abschussplanung durch die Abschussvereinbarung ersetzt. Was hat sich dadurch konkret verändert?

Die Vereinbarung wird zwischen dem Jagdpächter und dem Vorstand der Jagdgenossenschaft als Vertretung der Verpächterseite abgeschlossen. Folglich wird in Zukunft nicht mehr ein behördlicher Abschussplan „von oben“ vorgegeben, die Grundeigentümer können viel stärker auf die Planung einwirken als bisher. Dadurch wird auch die Eigenverantwortlichkeit vor Ort gestärkt. Schließlich wissen Jagdgenossenschaft und Jagdpächter vor Ort am besten, was im Jagdrevier los ist.

Was ändert sich dadurch für die Jäger? Was bringt es für Vor- oder Nachteile mit sich?

Diejenigen, die die Revierverhältnisse und den Wildbestand sowie externe Einflussfaktoren am besten kennen, werden sich so entsprechend miteinander abstimmen.

Die Dörrebacher wollen Ihre Situation nun verbessern, indem sie eine Abschusskontrolle und eine Vertragsstrafe vorsehen. Ist das der richtige Weg?

Ich halte zusätzlichen Zwangsmittel für kontraproduktiv und kann mir nicht vorstellen, dass Jagdpächter solche Vertragsgestaltungen unterschreiben. Die Jagdgenossenschaft kann bereits bei der Auswahl des Jagdpächters ein starkes Augenmerk auf ihre Vorstellungen legen.

Wie wichtig ist es, einem ortskundigen Jäger das Revier zu verpachten?

Dies ist der wichtigste Punkt beim Thema Wildschaden: Vor allem beim ortskundigen, aber auch ortsansässigen Jagdpächter besteht der soziale Druck, handeln zu müssen, wenn entsprechende Schäden sich häufen. Der Jagdpächter, der weit entfernt wohnt, kann oft nicht schnell und flexibel genug reagieren. Mindestens sollten die Jagdgenossenschaften darauf drängen, dass ausreichend ortsansässige Jäger (Jagdaufseher) in die Bejagung des Revieres mit eingebunden sind. Überall da, wo dies geschieht, gibt es auch keine Probleme mit ortsfernen Jagdpächtern.

Der Hegering Stromberg ist seit einem Jahr vakant. Warum ist es schwer, einen neuen Hegeringleiter zu finden?

Dies ist eine offene Baustelle, die bereits vor meinem Amtsantritt als Vorsitzender der Kreisjägerschaft existierte. Die Besonderheit und Problematik des Hegerings Stromberg ist die, dass nahezu alle Jagdpächter nicht am Ort wohnen, so dass sich die Übernahme der Hegeringleitung für diese Jäger als nahezu unmöglich darstellt.

Das Interview führte Daniela Elsässer


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